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Reisebericht: Allein als Frau auf Bali

Keine Sorge, es folgt kein Reisebericht „auf den Spuren von Eat, Pray, Love“, jenem Buch von Elizabeth Gilbert, dem Bali eine ganze Reisewelle mittelalter weißer Frauen aus Europa und Nordamerika auf der Suche nach innerer Erleuchtung verdankt. Im Gegenteil, ich fand die vom Verlag finanzierte egozentrische Nabelschau der Dame eher zum Weglaufen und hatte mir den Film nur Zähne knirschend angesehen, weil ich mir schöne Naturaufnahmen von Ubud und der Umgebung erhoffte. Aber nun zu meinem eigentlichen Reisebericht:

Wenn ich als Frau alleine in Südostasien unterwegs bin, dann weil ich Land und Leute kennenlernen will, die Geschichte und Kultur des Landes erfahren will und beeindruckende Sehenswürdigkeiten, malerische Landschaften und leckeres Essen genießen will. Natürlich gehört ein wenig Planung dazu, aber für mich ist die Region immer wieder ein gutes Pflaster – und Bali bildet für alleinreisende Frau da keine Ausnahme.

Gut aufgehoben während meiner Bali-Reise

Meine Bali-Reise sollte eine Mischung aus Sightseeing und Entspannung sein, so dass ich sie in einen ersten Teil in Ubud, dem kulturellen Zentrum der Insel, und einem zweiten Teil in Seminyak am langen Sandstrand der Westküste aufteilte. Da ich in einem so günstigen Reiseland wie Indonesien nicht jeden Cent dreimal umdrehen muss und als allein reisende Frau auch auf meine Sicherheit bedacht bin, arrangierte ich vorab über das Unternehmen Ubud Taxi die Abholung am Ngurah Rai Airport in Denpasar, Bali. Da die Lufthansa mich mit ihren Streiks zur Zeit als treue Kundin gründlich vergrault hatte, buchte ich meine Flüge bei Singapore Airlines: Zunächst mit dem „dicken Brummer“ (meinem ersten Flug mi dem A380-Airbus!) von Frankfurt nach Singapur und von dort mit einer A330 weiter nach Bali. Das gefürchtete Chaos bei der Ankunft blieb aus: Gerade mal zwei Menschen waren vor mir am Schalter um das „Visa on Arrival“ (35 US-Dollar, nur in bar) zu erwerben und dann an der Immigration. Auch das Gepäck kam recht schnell und schon stand ich draußen in der tropischen Hitze, wo mich mein Fahrer Dewa in einem „Germany“-Fußball-T-Shirt empfing.

Von wegen tropische Trauminsel. Mein erster Eindruck von Denpasar war: Grenzenloses Verkehrschaos wie zur Rush Hour in Bangkok. Auch die Hauptstraße von Ubud, wo wir nach ca. einer Stunde ankamen, war Stoßstange an Stoßstange dicht mit Autos, da sich am frühen Nachmittag die Tagesausflügler drängeln. Einschließlich Trinkgeld zahlte ich Dewa 300.000 Rupien (etwa 20 EUR) für den Airport Pick-Up – ein fairer Betrag für die lange Fahrt, wie ich fand. Er gab mir seine Visitenkarte und bot mir weitere Fahrdienste auf der Insel an – worauf ich noch zurückkommen werde. Zunächst war ich froh, meine Bleibe erreicht zu haben, das Inata Hotel direkt an der Jalan Monkey Forest, ein typisch südostasiatisches Boutique-Hotel mit kleinem Swimming Pool, großzügigen Zimmern und einem Balkon mit Blick über Reisfelder und Palmen.

Die Erkundung von Ubud

Am nächsten Tag stand die Besichtigung von Ubud selbst auf dem Programm. So war ich bereits um 8.30 Uhr am berühmten heiligen Affenwald, wenn dieser noch fast menschenleer ist. In diesem Waldstück, das offiziell Mandala Wisata Wanara Wana heißt, tummeln sich einige hundert Makaken zwischen drei Tempeln und es ist eine Freude, die Tiere eine Weile zu beobachten. Anschließend ging es über die lange Jalan Monkey Forest ins eigentliche Zentrum von Ubud, um den alten Palast, die benachbarten Tempel und den Markt zu besuchen. Zugleich nutzte ich die Gelegenheit, für den nächsten Tag eine organisierte Tagestour bei einem örtlichen Veranstalter für den nächsten Tag zu buchen. Ubud ist nicht nur für seine vielen Maler und Galerien berühmt, sondern auch für die abendlichen Vorstellungen der traditionellen balinesischen Tanzkunst. Für mich stand an diesem Abend „Legong“ auf dem Programm, ein ganz klassischer Tanz, der früher nur von jungen Mädchen getanzt wurde, heute aber von erwachsenen Tänzerinnen präsentiert wird. Als „Tanz“ im westlichen Sinne kann Legong kaum bezeichnet werden, doch die präzisen Bewegungen der Tänzerinnen, bei denen jede Fingerbewegung und jedes Augenrollen eine Bedeutung hat, war eine interessante Erfahrung – genau wie das berühmte indonesische Gamelan-Orchester, das die Tänzerinnen begleitete.

Die Tagestour wurde ebenfalls ein voller Erfolg: Für nur 170.000 Rupien (knapp 12 EUR) wurde ich gemeinsam mit einer etwa gleichaltrigen Spanierin, die die gleiche Tour gebucht hatte, zu den Highlights im Nordosten Balis gefahren: Erste Station war die „Elefantenhöhle“ Goa Gajah außerhalb von Ubud, gefolgt vom alten wiederaufgebauten Palast von Klungkung. Das Original war von holländischen Truppen 1906 zerstört worden, als die niederländische Kolonialmacht die letzten noch widerspenstigen Herrscher im Süden und Osten Balis angriffen, um Bali endgültig zu erobern. Sowohl in Klungkung als auch in Bandung (dem heutigen Denpasar) reagierte die Herrschaftsfamilie samt Hofstaat damit, lieber kollektiv Selbstmord zu begehen als sich den Holländern zu ergeben. Ein Ereignis, das selbst Europa schockierte. Ideale Reiselektüre zu dieser Epoche ist übrigens das von Vicki Baum geschriebene „Liebe und Tod auf Bali“, das am Hof von Bandung und im benachbarten Sanur spielt.

Weiter ging es nach Besakih, der größten Tempelanlage von Bali am Hang des heiligen Gunung Anung, dem „Sitz dem Götter“ (und dem höchsten Berg der Insel). Leider ist die Anlage nicht reguliert, so dass hier der absolute Touristennepp blüht. Zum Glück hatte mich der Lonely Planet entsprechend gewarnt – als sich uns ein „Touristenführer“ aufdrängte und behauptete, ohne Guide dürfe man die Anlage nicht betreten, konnte ich ihm den Reiseführer unter die Nase halten und ihn abweisen. Leider belagerten andere Nepper auch den Haupttempel, wo sie sogar ein Gitter installiert hatten – und keinen durchließen, der nicht vorher einen „Führer“ bezahlte. Immerhin gelang es meiner spanischen Begleiterin, die Nepper auf 60.000 Rupien für uns beide herunter zu handeln, so dass ich nun inkl. dem echten Eintrittsgeld von 15.000 Rupien etwas mehr als 3 EUR für den Besuch zahlte – was die prächtige Anlage mit ihren vielen einzelnen Tempeln und dem prächtigen Blick aufs Umland auch wert ist. Dennoch gehören starke Nerven dazu, um dem Nepp zu widerstehen – auf dem Rückweg wurden wir zweimal hintereinander von weißen Touristen angesprochen, die uns fragten, ob man wirklich unbedingt einen Führer haben müsste, wie unten am Berg behauptet (weil wir ja keinen dabei hatten), so dass wir ihnen versichern konnten, nein, mussten sie nicht. Schade, dass die doch eigentlich heiligste Anlage der Balinesen auf diese Art verschandelt wird.

Von Besakih ging es weiter zu einer „Kaffeeplantage“ – zwar eine typische Touristenattraktion, aber unser Fahrer fragte uns sogar noch, ob wir dorthin wollten oder nicht, es wurde uns nicht aus Kommissionsgründen aufgedrängt. Und interessant war es allemal – so sahen wir hier auch die Luwaks („Fleckenmusangs“ auf Deutsch), die den berühmten „Katzenkaffee“ produzieren. Luwaks sind katzen- oder marderähnliche Tiere, die Kaffeebohnen fressen und anschließend wieder ausscheiden. Aus dem was hinten raus kommt, wird dann der „Katzenkaffee“ hergestellt (Kopi Luwak). Probiert habe ich ihn zugegebenermaßen nicht (igitt), aber es gab eine ganze Reihe anderer leckerer Kaffee- und Teesorten zu probieren (und zu kaufen!).

Als letztes Highlight warteten dann noch die heiligen Quellen von Tirta Empul nördlich von Ubud auf uns, ehe wir gegen vier Uhr nachmittags wieder in Ubud waren. Ein ereignisreicher und rundum gelungener Tag!

Der dritte Tag in Ubud begann mit Kunst: Und zwar mit einem Besuch des Agung Rai Museum of Art (ARMA), das ein eigenes Zimmer dem deutschen Künstler Walter Spies und seinen Werken widmet. Spies hatte es in den 20er Jahren als ersten Weißen nach Ubud verschlagen, der wiederum viele berühmte Besucher anlockte, darunter Charlie Chaplin, Vicki Baum (die hier „Liebe und Tod auf Bali“ schrieb) und Baron Viktor von Plessen, der mit Spies‘ Hilfe den Film „Insel der Dämonen“ drehte. „Island of Demons“ ist auch der Titel des Buches von Nigel Barley, das das Leben von Walter Spies, Rudolf Bonnet und ihren Gästen auf Ubud unterhaltsam beschreibt – eine weit empfehlenswertere Lektüre für Ubud als der „Eat, Pray, Love“-Unsinn.

Am Abend stand noch einmal Tanz auf dem Programm, diesmal ein mitreißendes Ballett zur Ramayana, dem berühmten indischen Epos um Prinz Rama und seine geliebte Sita, die vom Dämonen Ravana gekidnappt wird – ein toller Abschluss für meine Zeit in Ubud.

Seminyak

Ein wichtiger Aspekt des Alleinreisens als Frau ist für mich, vertrauenswürdige Leute vor Ort zu finden. So waren mir die zahllosen Herren, die auf der Straße ständig „Taxi!!“ anboten, ein wenig suspekt und stattdessen kontaktierte ich meinen ersten Fahrer Dewa per E-Mail, um mich von ihm von Ubud zu meinem zweiten Hotel in Seminyak am Strand bringen zu lassen – und bei ihm dann auch gleich eine private Tour für den folgenden Tag zu buchen. Dewas Sohn Weda kam mich zuverlässig am nächsten Morgen am Hotel abholen und brachte mich nach Seminyak, dem angeblich etwas „feineren“ Badeort nördlich vom australischen Ballermann Kuta, der 2002 weltweit Schlagzeilen machte, als bei einem miesen islamistischen Bombenanschlag über 200 Menschen ums Leben kamen. Die ganze Gegend um Kuta und Seminyak scheint explosionsartig und ohne jede Planung wild gewachsen zu sein und das Verkehrschaos war riesig. Insgesamt brauchten wir über zwei Stunden bis ich mein Hotel erreichte, das hübsche kleine Pearl Boutique Hotel in der Nähe des Strandes – wo ich den Rest des Tages verbrachte.

Am nächsten Morgen holte mich Weda dann wieder ab für eine private Tour – mit 550.000 Rupien (etwa 37 EUR) zwar etwas teurer, doch dafür brauchte ich mich nicht auf die Suche nach einem anderen Veranstalter vor Ort zu machen und wusste, dass ich einen zuverlässigen, sympathischen Fahrer hatte, der auch noch einen netten Azubi mitbrachte. Wieder regierte das Verkehrschaos in Seminyak und es dauerte geschlagene zwei Stunden, um überhaupt aus der Gegend wegzukommen und den berühmten Seetempel von Tanah Lot zu erreichen. Dieser liegt tatsächlich spektakulär schön auf einem Felsen in der Brandung, ist jedoch (anders als z.B. der Mont St. Michel in Frankreich) nicht für Touristen zugänglich. So blieb nichts anders übrig als ein kurzes Foto zu schießen und weiter zu fahren in den Norden – zu den nicht minder berühmten Reisterrassen von Jatiluwih, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurden. Die lange mühsame Fahrt ging mir zu diesem Zeitpunkt schon auf die Nerven, doch der herrliche Anblick der sattgrünen Reisterrassen machte dies dann schnell wieder wett. Die lange Fahrtzeit (insgesamt waren wir gut sechs Stunden unterwegs!) ließ dann auch den Preis wieder in einem anderen Licht erscheinen und ich gab Weda und seinem jungen Begleiter dann auch gerne noch ein großzügiges Trinkgeld.

Ein letzter Tag war dann ganz der Entspannung gewidmet: Ich unternahm einen morgendlichen Spaziergang bis nach Kuta, um mich dort zumindest einmal umzusehen und fand vor allem große internationale Hotelketten und Fast Food-Outlets statt der charmanten kleinen inhabergeführten Boutique-Hotels und chaotischer kleiner Läden und Warungs (Imbisse) weiter nördlich – ein Standardurlaubsort, der genauso in Thailand, Spanien oder Florida sein könnte. Den Rest des Tages verbrachte ich dann am Strand von Seminyak selbst, gönnte mir abends noch einmal eine balinesische Massage und ein letztes Abendessen, ehe ich mich am nächsten Morgen vom Hotel zum Flughafen bringen ließ.

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Mein Reisebericht-Fazit?

Bali ist sicher eine Reise wert, doch ich muss auch sagen, dass mich die Insel weniger begeistert hat, als andere Regionen in Südostasien. Zu viel unreguliertes, chaotisches Wachstum und viel Schmutz am Strand, aber auch die eher unzugänglichen Tempel im Vergleich zur Offenheit der buddhistischen Tempel und Klöster in anderen Ländern wie Thailand und Burma/Myanmar. Wettgemacht wird dies vor allem durch die unglaublich herzlichen, redefreudigen Balinesen, von denen ich mich herzlich aufgenommen fühlte. Mein Tipp für alleinreisende Frauen ist vor allem: Stets ein Hotel in einer zentralen Gegend suchen, das auch nach Einbruch der Dunkelheit problemlos über belebte, beleuchtete Straßen zu erreichen ist (z.B. in Ubud an einer der Hauptstraßen wie der Jalan Monkey Forest und der Jalan Raya Ubud, und nicht in einem der umliegenden kleinen Dörfer) und zuverlässige Fahrer vorab im Internet suchen. Meine beiden Fahrer, Dewa und sein Sohn Weda, sprechen beide gutes Englisch und bieten faire Preise. Und ansonsten lohnt es sich natürlich immer, in einen guten Reiseführer zu investieren (ich schwöre nach wie vor auf die englischsprachigen Originale des Lonely Planet) und sich ein wenig mit Land und Leuten zu befassen.

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